Herr Meyer ist ein gelegentlicher [;-)] Leser meines Blogs und vor allen Dingen ein überaus angesehener und erfolgreicher Gastronom, beides etwas was mir noch hoffentlich irgendwann bevorsteht. Ich lüfte kein Geheimnis, wenn ich hier niederlege, das wir nur selten einer Meinung sind, aber trotz all unserer unterschiedlichen Standpunkte, respektieren wir uns. Zuweilen krachen wir aufeinander, aber wir trinken auch stets einen Becher miteinander, sofern es die Zeit und der Ort es zulässt.
Eine Diskusssion, die uns schon länger beschäftigt ist der Cocktail Vesper und seine Zutaten, wir haben auch hier wiedermal ganz unterschiedliche Meinungen.
Herr Meyer hält den Drink schlicht für eine Farce und sieht in ihm nichts anderes als ein bösen Gimmick eines Bond-Kapitels, ich dagegen habe mich überzeugen lassen, dem Drink erstmal eine Chance zu geben, um ihn dann notfalls ebenso als Gag zu erkennen.
* 3 measures of Gordon’s gin
* 1 measure of vodka
* ½ a measure of Kina Lillet
* Shake until ice cold and serve in a deep champagne goblet with a large thin slice of lemon peel
Natürlich klingt das erstmal seltsam: Vodka und Gin!?! und wozu ein Champagner-Goblet?!?
Jedoch haben seltsame Zutaten in Drinks für mich oftmals einen unvorstellbaren Reiz und es kribbelt mich dann stets wie wild in den Fingern, so einen Drink nachzumixen. Das ist glaube ich auch einer der Gründe, warum ich angefangen habe Antik-Spirituosen zu sammeln.Inzwischen kann und darf ich wohl behaupten, das ich eines der fähigsten Trüffelschweine unter den Spirituosensammlern bin und schon so manches Mystical-Beast zur Strecke gebracht habe. Kina Lillet gehört nun inzwischen auch dazu und es ist eine meiner wertvollsten Trophäen, denn es hat sehr, sehr lange gedauert und zwischendurch hatte ich es schon fast aufgeben wollen. Einige Quellen sprachen sogar davon, das es gar keinen Kina Lillet gäbe, sondern das er nur für den amerikanischen Markt umbenannt wurde und es nur der normale Lillet war, aber halt unter anderem Namen. Ich unterhielt mich immer wieder mit alten Bartendern darüber und diese Quellen sind für gute Recherchen (im Bereich der Barkultur) oftmals viel besser als Google oder das Internet im allgemeinen. Im worldwide Web wird nur allzu gern kopiert und weiter veröffentlicht, ohne eine direkte Quellenangabe; die Recherche ohne Internet wäre wahnsinnig kompliziert, aber das Internet als einzige Quelle ist daher auch nicht immer ratsam.
Meine Quellen versicherten mir das es früher einen Kina Lillet gab und er auch anders vom Geschmack war, als der normale Lillet. Ein genaues Geschmacksprofil konnte mir keiner der Herren mehr geben, aber sie beschrieben ihn als sanft bitter und sehr komplex.
Bei der Jagd nach diesem Exemplar gab es noch ein weiteres Problem, ich brauchte ein Exemplar das einen tadellosen Lagerzustand aufwies, da dies ja ein Wein-Orangen-Aperitif war und auch nur 17% hatte. Normalerweise haben solche Produkte keine allzu lange Lebensdauer, aber sie können es schaffen, wenn sie excellent gelagert werden. Daher kann ich die Bedenken des Herrn Meyer durchaus gut verstehen und die Flasche, die er damals wahrscheinlich öffnete, war mit Sicherheit aus solchen unsicheren Laienbestand einer älteren Hausbar. Mir erging es bei meiner ersten Flasche ebenso, aber dann fand ich ich einen Spezialisten (in Belgien) für alten Wein und Spirituosen, der über einen profunden Wissenstand in Bezug auf Lagertechniken verfügte und auch nur sehr gezielt alte Sammlungen aufkauft, deren Lagerbedingungen tadellos gewesen sind, bevor er sie übernahm. Man kann sich vorstellen das diese Flasche daher auch nicht unbedingt ein Schnäppchen war, aber ich will mich hier nicht beschweren...
Ich habe inzwischen mehrere Vesper-Martinis gemacht und alle meine Gäste waren sehr angetan von diesem Cocktail, es ist ein überaus runder Martini mit einem sehr angenehmen, weichem Gefühl auf der Zunge und einer sehr komplexen Aromenwelt. Natürlich habe ich den Drink auch mal ohne Zugabe des Wodkas gemacht, aber ich fand nicht, das er dadurch besser wurde. Man muss ihn einfach mal probieren, um ihn klar beurteilen zu können.
